Echt Holland
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OWL am Mittwoch vom 16.05.2016
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OWL am Mittwoch im Westfalen Blatt von 27. August 2014:

»Der Neffe von Tante Emma« erfüllt sich seinen Traum

In seinem selbst gebauten Marktstand bietet Ron van Zijp niederländische Spezialitäten im ganzen Altkreis Halle an

Borgholzhausen/Altkreis Halle. Schon von weitem erkennt man die riesige niederländische Flagge am Marktstand. Beim Näherkommen hört man ein typisches Akzent. Aha, »Onkel Ron« ist wieder da – und lockt mit einem verführerischen Angebot aus Kaas, Koekjes, Poffertjes, Vla und und und...

Auch wenn er erst seit zwei Jahren mit seinem originellen Verkaufswagen unterwegs ist – irgendwie ist Ron van Zijp schon jetzt eine Art Institution auf den Wochenmärkten des Altkreises. Die Leute lieben »Onkel Ron's Lädchen«, kaufen Käse, Brot, Lakritz, Gebäck und all die anderen Genüsse aus unserem Nachbarland, darunter auch einige dort beliebte indonesische Waren – und sie halten fast immer einen Plausch mit dem Standbetreiber, der sich selbst augenzwinkernd als den »Neffen von Tante Emma« bezeichnet.

Die Atmosphäre ist in der Tat so, als habe sich Tante Emma nur mal eben zurückgezogen und ihrem Neffen das Feld überlassen: Überall im Verkaufswagen erblickt man Holzvertäfelung, kleine Gardinchen und vor allem eine Menge an Köstlichkeiten, die liebevoll dargeboten wird – in diesem Fall eben ausdrücklich niederländische Leckereien. Die Gläser enthalten allerlei buntes Naschzeug; Salmiakpastillen beispielsweise, »Harlekijntjes« oder die bunten »Tum-Tum«-Drops. Und die Gesichter auf den »Giegels« (weiches Lakritz) strahlen mit »Onkel Ron« um die Wette. Auch beim Anblick von Kandiskuchen, Sirupwaffeln und Vla, dem fast flüssigen Pudding, läuft einem das Wasser im Munde zusammen.

Bei den herzhaften niederländischen Spezialitäten empfiehlt »Onkel Ron« unter anderem frischen Käse aus der Provinz Nordholland. Oder gegen den kleinen Hunger die »Frikandel speciaal«, die er vor Ort mit diversen Saucen würzt. Wer sein Fleisch bei der nächsten Grillparty selbst verfeinern möchte, dem legt Ron van Zijp die Gewürzmischung für Saté ans Herz – von ihm persönlich zusammengestellt.

Der Niederländer liebt seine Arbeit und den Kontakt zu seiner Kundschaft. »Die Leute kommen wegen der Tante-Emma-Atmosphäre, und sie verbinden mit dem Einkauf oft so etwas wie ein Urlaubsgefühl. Da herrscht oft eine richtige Begeisterung, wenn jemand bestimmte Leckereien aus früheren Holland-Reisen entdeckt«, hat er beobachtet. So wie bei Steffi Theis: »Wir fahren im Urlaub gern auf die Insel Schiermonnikoog. Hier am Marktstand entdecken wir viele liebgewonnene Leckereien wieder«, erzählt sie. Ihr Sohn Jan Luca hat es sich währenddessen in der kleinen Sitzecke vor dem Stand gemütlich gemacht. »Irgendeine Kleinigkeit für Kinder habe ich meistens«, ergänzt Ron van Zijp, der eigens eine Trittbank gezimmert hat, damit auch die Kleinsten besser in seinen Wagen schauen können.

Der Marktwagen ist die Erfüllung eines lange gehegten Traums, »den ich schon als Kind hatte«, so der Niederländer, der mit seinen 61 Jahren schon auf wechselvolle Jahre zurückblickt. Als Wehrpflichtiger kam er 1975 nach Borgholzhausen zur niederländischen NATO-Einheit. Pium ist noch heute sein Zuhause, Ron van Zijp fühlt sich mit seiner deutschen Heimat seit Jahrzehnten verwurzelt. Nach dem Schließen der Kaserne und dem Abzug der NATO wurde Ron van Zijp Techniker bei Lebkuchen Schulze, anschließend Hausmeister beim Deutschen Roten Kreuz und Versicherungsmakler.
»Als ich dann vor fünf Jahren arbeitslos wurde, wollte ich auf gar keinen Fall zu Hause herumsitzen. Da reifte mein alter Kindheitsraum zu dem Entschluss: Jetzt mache ich, was ich immer schon wollte! Zu Hause baute ich mir ein detailliertes Modell des Verkaufswagens, der mir immer schon vorschwebte. Damit ging ich zum Jobcenter und präsentierte meine Idee – was gut ankam«, erinnert sich van Zijp. »Lediglich das Fahrgestell habe ich mir neu besorgt. Alles andere habe ich vollständig selbst gebaut: den Aufbau, die hölzerne Einrichtung, die Vitrinen, die Kühltheke und und und. Der Wagen hat sechs Zentimeter Isolierung, das bleibt auch im Winter warm genug.« Der Niederländer erinnert sich mit einem Leuchten in den Augen: »Die Bauphase selbst war schon reichlich Motivation und Vorfreude!«

Inzwischen ist »Onkel Ron's Lädchen« nach einem festgelegten Fahrplan auf den Märkten im Altkreis Halle unterwegs, vorab nachzulesen auf seiner Internetseite. Etwa zweimal im Monat reist er dann in seine alte Heimat, um frische Spezialitäten einzukaufen – übrigens auch nach besonderen Kundenwünschen. »Ich habe mir ein kleines Netzwerk aufgebaut. Die Waren werden nach Enschede und Hengelo geliefert, dort hole ich sie dann ab.« An so vielen leckeren Dingen hat er dann stets ordentlich zu schleppen. Da sind die 220 PS seines 21 Jahre alten Mercedes-Kombis eine wertvolle Unterstützung – ihn pflegt Ron van Zijp ebenso liebevoll wie den Anhänger.

Seit dem Start von »Onkel Ron's Lädchen« im August 2012 wächst das Interesse noch immer. »Die Leute kommen gerne zum Klönen, darunter viele Kinder, die ›an Bord‹ kommen und von ihren Erlebnissen erzählen«, freut sich der Borgholzhausener.

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